Wie geht BGM heute? – Eindrücke und Gedanken im Rahmen der Zukunft Personal

zukunftpersonalDeutschland nähert sich der Vollbeschäftigung. Die aktuellsten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit belegen: mit 5,9 Prozent erreichen wir derzeit die niedrigste Arbeitslosenquote seit der Wiedervereinigung. Dass diese Zahl ebenfalls große Konsequenzen für das Personalmanagement in deutschen Unternehmen hat, ließ sich in den vergangenen drei Tagen auf Europas Leitmesse für das Human Resource Management, der Zukunft Personal in Köln, feststellen. Hier kamen vom 18. bis 20. Oktober 2016 Deutschlands HR-Manager und HR-Dienstleister zusammen, um sich über Gegenwart und Zukunft der Arbeitswelt auszutauschen. Neben den klassischen Themen wie Recruiting,  Personaldienstleistungen, betriebliche Weiterbildung, Leadership, Arbeitsrecht und Personal-Software spielt zunehmend das Thema betriebliche Gesundheit in Anbetracht der Zukunft der Arbeitswelt eine wichtige Rolle.

Die Ansprüche der Unternehmen werden zunehmend höher: verlangt werden interkulturelle Kompetenz und Auslandserfahrungen, sprachliche und technische Fähigkeiten, Bestnoten, Praktika und erste Berufserfahrung. Zu Zeiten von Vollbeschäftigung reduziert sich die Auswahl an verfügbarem Spitzenpersonal. Dieses wiederum erwartet ebenfalls beste Arbeitsbedingungen. Einkommen und arbeitsrechtliche Standards sind längst nicht mehr ausreichend. Das Unternehmen muss nachhaltig aufgestellt sein, nachhaltig denken. Und Gesundheit ist nachhaltig.

Wenngleich der Veranstalter spring Messe Management GmbH zum Thema Gesundheit in Unternehmen mit der Corporate Health Convention eine eigene Fachmesse anbietet, zeigt die Konzeption der Zukunft Personal sehr deutlich, dass sich klassisches Personalmanagement und betriebliches Gesundheitsmanagement nicht voneinander trennen lassen.

So widmete sich auch in Köln der Sonderbereich Corporate Health mit zahlreichen Fachvorträgen, einem eigenen MeetingPoint BGM, Diskussionsrunden und passend zur Messe geschriebenen eigenen Blogbeiträgen dem Thema betriebliche Gesundheit – mit dem Ziel, nicht nur die „BGM-Familie“ Deutschlands anzusprechen, die ohnehin ihre Branche, Angebote und Experten kennt, sondern auch Personaler von Unternehmen zu erreichen, die aufgrund ihrer Betriebsstrukturen keinen eigenen Gesundheitsbereich vorweisen können.

Vorträge zu Aspekten wie Bewegung, Ernährung, Vertrauen, Transparenz, Motivation und psychische Gesundheit sowie die Diversität der Dienstleister, die neben zuvor genannten Bereichen viele weitere Betrachtungsansätze und Lösungen präsentierten, machen wieder einmal deutlich: BGM ist weit mehr als die tägliche Banane, der ergonomische Stuhl oder die Treppe statt dem Fahrstuhl.

Experten wie Dr. Nathalie Lotzmann, Themenbotschafterin „Gesundheit“ der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) und Leiterin des globalen Gesundheitsmanagements der SAP SE, möchten die Effizienz einzelner Maßnahmen, wie viele spezialisierte Dienstleister sie bewerben, nicht in Frage stellen. Eines jedoch möchte sie klarstellen: Personal- und BGM-Manager erreichen nur wenig durch punktuelle Ansätze – und können das Ziel ganzheitlich gesunder Mitarbeiter schon gar nicht alleine umsetzen (mehr hierzu im Zukunft Personal Blogbeitrag „Chefsache Gesundheit 4.0: Neue Unternehmenskultur statt nur Obstkorb und Rückenschule“, 5. Oktober 2016).

Bundesweit finanzieren bis zu 65% der Arbeitgeber Maßnahmen, um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu erhalten und zu fördern. Zwar werden bereits kleine Angebote aus Mitarbeitersicht als respektvoller Umgang und Sorge um die Mitarbeiter gewertet – messbare Resultate bleiben hier jedoch aus. Die Zahl an stressbedingten körperlichen und psychischen Belastungen und somit krankheitsbedingten Ausfällen steigt parallel kontinuierlich an.

Erfolge im eigenen BGM lassen sich nur dann aufweisen, wenn ein Auseinandersetzen mit dem Thema Mitarbeitergesundheit nicht nur ein Teil der Unternehmenskultur wird, sondern wenn BGM als wichtiger Baustein im Business Plan verankert ist, mit allen Konsequenzen! Wie bei jedem anderen Projekt bedeutet das, nicht mit kurzfristigen Lösungen vorhandene Nachfragen, Angebotslücken oder -mängel beheben zu wollen, sondern von Grund auf ein profitables, langfristig erfolgreiches Konzept zu erstellen. Investiert wird dann beispielsweise statt in Führungskräftecoachings zu systemischer Projektoptimierung in Workshops zu Stressbewältigung und Achtsamkeit sich und seinen Mitarbeitern gegenüber. Es darf keiner Sorge vor den Resultaten einer internen „Marktanalyse“ Raum gelassen werden, weil Auswertungen der Mitarbeiterbefragungen die Führungsebene unter Handlungsdruck stellen könnten. Transparenz ist hier das Stichwort, und sie birgt neben Herausforderungen auch große Chancen.

Für Mitarbeiter muss zunächst ein Konzept, ein Rahmen hinter der Initiative sichtbar vorhanden sein, wie beispielsweise die Bereitstellung ergonomisch gestalteter Arbeitsplätze und Beachtung von Sicherheitsvorschriften, eine intakte, zeitgemäße technische Arbeitsausstattung, ein leichter Zugang zu Vorsorgeuntersuchungen sowie die Anpassung der Arbeitszeitgestaltung an jeweilige Lebensphasen und individuelle Situationen.

Viel wichtiger sind jedoch die an die Mitarbeiter zu richtenden Botschaften und gelebten Werte, wie Dr. Nathalie Lotzmann sie beschreibt: Der Obstkorb darf nicht aus Zeitmangel den Gang zur Kantine ersparen. Die Rückenschule ist nicht der langfristige Ansatz, wenn Muskelverspannungen durch psychische Belastungen am Arbeitsplatz ausgelöst werden. Gemeinsame Fitness-Übungen und Challenges können nicht über eine mangelnde Vertrauenskultur hinweghelfen.

Genau hier zeigt sich, dass nicht nur große Unternehmen anhand von geldintensiven BGM-Angeboten effektive Programme aufsetzen können. Gesundheitsbewusstsein beginnt im Kleinen, in den Köpfen der Führungskräfte und mit der Fähigkeit, einer gesunden Betriebskultur ihren Raum zu ermöglichen und sie im Arbeitsalltag präsent zu machen und zu halten.

Diesen Ansatz fördert auch das Corporate Health Netzwerk, welches auf der Zukunft Personal ebenfalls mit einem Ausstellerstand vertreten war und sich über die gute Resonanz freute. Alleine die Gespräche auf den drei Messetagen machten deutlich, dass BGM kaum noch als Nischenprodukt gewertet werden kann und die Branche sich auf dem richtigen Weg befindet.

So lässt sich hoffen, dass die vielen Messeeindrücke der Zukunft Personal zu neuen Gesundheitsmaßnahmen und Denkansätzen in Unternehmen nicht in den sinnbildlichen Schubladen der HR-Manager versanden, sondern geteilt werden mit denen, die Einfluss auf die Unternehmensphilosophie haben und auch nachhaltig nehmen möchten.

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