Reduzierte Leistungsfähigkeit, Produktivitätsverluste, 3.5 Millionen Tote jährlich: Luftverschmutzung wird neues Handlungsfeld im BGM

luftverschmutzung

Dass die zunehmende Luftverschmutzung durch Feinstaub, Stickoxide oder Industrieabgase ein ernstzunehmendes gesundheitliches Problem darstellt, haben bereits viele Studien deutlich gemacht. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Luftverschmutzung das größte ökologische Gesundheitsrisiko der Zukunft. Dabei geht es nicht nur um die Entwicklung von Atemwegserkrankungen oder Allergien, sondern auch um die Entstehung von psychischen Krankheitsbildern, Autismus oder Schlaganfällen. Die durch Feinstaubbelastung entstehenden gesundheitlichen Gesamtkosten werden von der WHO allein in Europa auf jährlich rund 1,6 Billionen US Dollar geschätzt.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) beziffert die Anzahl der durch Luftverschmutzung verursachten Todesfälle auf rund 3.5 Millionen jährlich. Diese Zahl soll sich bis zum Jahr 2060 verdoppeln bzw. verdreifachen.

„Der Preis, den wir dafür zahlen, mit dem Auto unterwegs zu sein, spiegelt nicht die Schäden, die wir der Umwelt und unserer Gesundheit zufügen“, so José Ángel Gurría, OECD-Generalsekretär.

Ob Luftverschmutzung nicht nur mittel- und langfristige gesundheitliche Konsequenzen hat, sondern sich unmittelbar auf die Produktivität eines Menschen auswirkt, war schon häufig Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Eindrucksvoll ist hier z.B. die 2015 veröffentlichte Fussballstudie des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA). Das Institut wertete die Leistungsdaten von rund 1700 Fußballprofis aus und setzte diese in Bezug zur örtlichen, während eines Fußballspiels gemessenen Feinstaubbelastung. Das Ergebnis lässt sich knapp zusammenfassen: Je höher die Feinstaubbelastung, desto geringer die Leistungsfähigkeit der Spieler. Dieser Effekt ist beim Normalbürger, dessen körperliche Fitness geringer als die eines Profisportlers ist, noch stärker ausgeprägt.

Forscher des National Bureau of Economic Research, Cambridge, USA belegten nun erstmals, dass die Luftverschmutzung durch Feinstaub die Leistungsfähigkeit eines Mitarbeiters auch dann vermindert, wenn dieser nicht im Freien, sondern in geschlossenen Räumen arbeitet. Die Studie mit dem Titel „The Effect of Pollution on Worker Productivity: Evidence from Call-Center Workers in China“ untersuchte die Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern zweier chinesischer Callcenter. Das Einatmen des Feinstaubs auf dem Weg zur Arbeit sowie das Eindringen der Partikel durch zum Lüften geöffnete Fenster bzw. Klimaanlagen reichte hierbei schon aus, um die Produktivität zu senken: Die Mitarbeiter mussten ihre Arbeit häufiger unterbrechen und aufgrund von reduzierter Leistungsfähigkeit längere Pausen einlegen.

Aus dieser Datenlage ergibt sich eine ethische wie volkswirtschaftliche Verantwortung im betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM). Unternehmen der Zukunft werden dem Thema Luftverschmutzung auf mehreren Ebenen begegnen müssen. Dabei geht es sowohl um die Auswahl geeigneter Unternehmensstandorte als auch um die Implementierung entsprechender Filtersysteme, um den Schutz der Mitarbeiter zu gewährleisten, Erkrankungen vorzubeugen und Produktivitätsverlusten entgegenzuwirken. Kausal betrachtet geht es vor allem aber auch darum, Prozesse im Bereich Logistik und Umweltschutz so zu optimieren, dass ökologische Belastungen auf ein Minimum reduziert werden können.

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